Vom Suchen und Finden

Auf der Suche nach dem Mysterium der Kindheit, haben wir vier Mädchen und Jungen gefunden, die uns sehr berühren: Wisdom (10), Joline (12), Elias (14) und Roja (12). Alle sehr unterschiedlich, haben sie doch eines gemeinsam: Sie passen nicht so richtig in unsere, aufs Funktionieren ausgerichtete Gesellschaft und wünschen sich an einen Ort, an dem sie „zeitlos“ so lange bleiben können, wie sie wollen, und an dem ihnen keiner sagt, was sie tun müssen.

Entweder sind sie langsamer und kommen deshalb auch in der Schule nicht mit, sie befinden sich emotional zwischen zwei Kulturen oder sie haben keine Freunde. Derweil bewohnt Elias mit seinen imaginären Begleitern einen eigenen Planeten und Wisdom reist in seinen Träumen mit einem Floß nach Afrika, um den Geist seines Großvaters zu treffen. Eine Armee blau glänzender Krabbelkäfer trägt täglich Kämpfe aus, die Joline unter die Haut gehen, doch sie schafft es, sie abzuschütteln. Roya durchquert in ihren Erinnerungen das Meer.

Die Kinder „verlassen“ ihre Realität und treffen an einem geheimen Ort aufeinander, der für Erwachsene nicht zugänglich ist. Doro, 10 Jahre, begibt sich auf die Suche nach den verschwundenen Kindern. Rätselhaft ist ebenfalls, dass mit ihnen auch ihre Haustiere aus den Käfigen entkommen sind. Doro trifft auf ratlose Erwachsene: eine Politikerin, eine Meerschweinchenexpertin, einen Fabrikbesitzer, bis sie schließlich die Insel der Kinder findet. Hier haben sich schon viele andere Kinder eingefunden und gemeinsam entwickeln sie ihre eigenen Spiele und Regeln.

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Hintergrund

Der Begriff der Wunderkammer bezeichnet nicht nur die Sammlung von Objekten, sondern auch innere Räume, unser Gehirn, unser Herz – oder besser: die Gedanken und Gefühle. Denn auch in denen kann man imaginär umherspazieren, sich neugierig umschauen und staunen. Und um das Staunen geht es, um Einblicke in unbekannte, aber auch vertraute Welten, die wiedererkennbar sind, weil sie jeder in sich trägt. In denen Geborgenheit und Zuflucht zu finden sind. Manchmal trifft man dort aber auch auf seine Ängste und Unsicherheiten.

Die Kinder im Film teilen ihre „inneren Reservate“ mit uns. Gemeinsam mit ihnen setzen wir diese auf einer Bildebene um, entweder ganz „real“ oder mit animierten Zeichnungen, Traumbildern. Wir loten außerdem beobachtend ihren Alltag aus und entwickeln mit ihnen Settings, die es den Zuschauern ermöglichen, auch in das Lebensumfeld der Kinder Einblick zu bekommen. Was ist ihnen wichtig in ihrem Leben, was sollen andere über sie erfahren?

Der Arbeitsprozess an diesem Film war ein Ping-Pong-Spiel mit den Kindern, in dem wir die Bälle, die sie uns zuspielten aufgegriffen haben, um den nächsten Schritt der filmischen Entwicklung zu gehen und den dramaturgischen Faden zu spinnen, ihre Geschichten zu verknüpfen – fast wie bei einer Schnitzeljagd.

Für die visuelle und auditive Umsetzung schöpfen wir aus ihren „kindlichen“ Ressourcen: ihre Bildideen, Zeichnungen, Fotos und Geschichten sind Ausgangspunkt der Gestaltung. Kinder haben auch die Lieder für den Film selbst geschrieben und interpretiert, sowie Geräusche für die Soundebene gesammelt.